Schloß Sonnenstein

Der Sonnenstein in Pirna ist ein Berg mit ehemaliger Festung und Schloss, heute unter dem Begriff "Schloss Sonnenstein" bekannt. Erstmals 1269 erwähnt, sicherte er die Wege von Stolpen nach Prag und vom Königstein nach Meißen. Seit 1668 wurde die Burg nach und nach zur Festung und zum Staatsgefängnis ausgebaut. Nach dem Siebenjährigen Krieg jedoch, in dem die sächsische Armee von Preußen besiegt wurde, verlor der Sonnenstein seine Funktion als militärische Befestigung und wurde aufgelöst. In der folgenden Zeit dienten die Gebäude als Wohnung für pensionierte Militärangehörige.

1811 entstand die Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke, die sich durch eine fortschrittliche Tradition in der Behandlung psychisch kranker Menschen auszeichnete: als erste bedeutende staatliche "Irrenanstalt" setzte man sich die Heilung der Kranken zum Ziel.

Ab 1940 wurde die Heilstätte im Sinne der nationalsozialistischen Euthanasieprogramme systematisch zur Tötungsanstalt umgewandelt: 15000 Menschen, vor allem psychisch Kranke, geistig Behinderte und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen wurden als "lebensunwert" unter den Nazis getötet. Heute erinnert die Gedenkstätte Sonnenstein an die Opfer.

Derzeit ist die Nutzung als Sitz des Landratsamtes in Planung.

Kurzchronik
1269 (5.12.) erste urkundliche Erwähnung der Kapelle auf der Burg Pirna
1291 Stadt Pirna und Burg Sonnenstein werden bischöflich-meißnisch
1293 Stadt und Burg gehen an König Wenzel II von Böhmen
1348 Karl IV. weilt auf der Pirnaer Burg
1351 findet ein Fürstentag auf der Burg statt
1404 Verpfändung von Stadt und Schloß an Markgraf Wilhelm von Meißen
1405 Schloß Pirna gelangt in markgräflichen Besitz
1459 findet ein Turnier im Schloßhof statt
1470-1473 Neubau der Kemnate
1486 Großbrand im Schloß
1545-1548 Umbau zur Festung
1546/1447 Schmalkaldischer Krieg: Das Schloß wird belagert
1570-1573 Neubau unter Kurfürst August
1588 Jagdlager Kurfürst Christians I. auf dem Schloß
1604 Bau des Lusthauses durch Melchior Brenner
1539 Schwedische Belagerung. Festung unter Kommandaten von Liebenau kann nicht eingenommen werden
1640-1645 Bau neuer Verteidigungswerke
1668 erneuter Umbau der Festung
1706 im Nordischen Krieg hat die Festung 9800 Mann und eine Abteilung Dragoner als Besatzung
1737-1740 Bau der Elbkaserne
1752-1755 Canaletto malt zahlreiche Veduten der Stadt Pirna und der Festung
1756 Siebenjähriger Krieg. Die Festung kapituliert.
1758 Die preußische Besatzung kapituliert nach Beschuß
1764 Aufgabe des Sonnensteins als Festung auf Anweisung von Prinz Xaver
1764-1810 Wohnstätte für Offiziere und Soldaten in Pension
1811 Eröffnung der Heilanstalt unter Direktor Ernst Gottlob Pienitz
1813 Vertreibung der Kranken, Schließung der Anstalt durch Französische Truppen. Im gleichen Jahr Kapitulation der Festung Dresden, welche die Festung Sonnenstein mit einschloß. Die französischen Truppen ziehen ab.
1826 Eröffnung der Genesungsanstalt
1855-1875 Neubau der Heilanstalt
1890 - 1913 Erweiterung und Umgestaltung des Schloßes mit samt der Anstalt
1900 - 1902 Bau der neuen Anstaltskirche
1939 Auflösung der Landesanstalt durch den sächsischen Innenminister
1940 Aufnahmelager für Volksdeutsche
1940-1941 Ermordung von ca. 15000 Menschen im Rahmen der Aktion T4 der Nazis
1941-1945 Adolf-Hitler-Schule Gau Sachsen, Wehrmachtslazarett, Reichsverwaltungsschule
1945-1949 Flüchbtlingslager, Lager für Wehrmachtsangehörige, Landratsamt Pirna, Polizeischule
ab 1954 Nutzung durch VEB Strömumgsmaschinenbau
ab 1977 Werkstatt für Behinderte und Förderschule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche
nachwendig Schließung der Werkstatt und Förderschule
2008 Vermessungsarbeiten zum Bau als Sitz des Landratsamtes beginnen

Standort:
Schloßpark
01796 Pirna


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Verweise:
Gedenkstätte Sonnenstein
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