Personenverzeichnis

Johannes Tetzel

ein Dominikaner, Inquisitor und Ablassprediger

 Johannes Tetzel wurde um 1465 Pirna geboren und starb am 11. August 1519 Leipzig. Er wurde als Gegenspieler Martin Luthers bekannt.
Mit dem Ablasshandel ist das Treiben dieses Pirnaers ganz eng verbunden. Wir folgen Reinhold Hofmanns Darstellung. Er hat bei seinen stadtgeschichtlichen Forschungen Tetzel besondere Aufmerksamkeit gewidmet und war bestrebt, mit wissenschaftlicher Akribie manchen Schleier zu lüften, der sich über diese legendäre Gestalt der Reformationszeit gelegt hatte. So schreibt er: ,,Um Tetzels Gestalt hat sich schon frühe ein dichter Kranz von Sagen gewoben, alte Schwänke und allerlei Züge von anderen Ablasspredigern und Mönchen, wie sie damals in dem religiös erregten Deutschland umliefen und mit Behagen weitererzählt wurden, hat man auf ihn übertragen, ja er ist zu einer Art von lustiger Person der Reformationsgeschichte geworden. Man schalt ihn einen ungelehrten groben Esel, einen sittenlosen, verkommenen Marktschreier und rohen Possenreißer.“
Was ist historisch verbürgt?
Johann Tetzel wurde um 1465 als Sohn des Fuhrmanns und unansässigen Bürgers Mathias (Matz) Tetzel, der in der Schmiedestraße 19 wohnte, in Pirna geboren. Er hat vermutlich die Pirnaer Lateinschule besucht, ab 1482/83 in Leipzig Theologie studiert und 1487 zum Baccalaureus der Freien Künste promoviert. Bald darauf trat er in den Dominikanerorden ein. Tetzels Vater ist um 1503, seine Mutter vor 1512 gestorben. Tetzels Schwester führte noch um 1540 das Fuhrmanns- und Handelsgeschäft ihres Vaters weiter. 1503 hatte Papst Alexander VI. dem deutschen Ritterorden in Livland einen Ablass bewilligt, den Papst Juhus II. auf weitere drei Jahre verlängerte. Unter den Kommissaren, die mit der Verkündung des Ablasses beauftragt wurden, nahm Tetzel die erste Stelle ein. Für ganze Diözesen wurde er als Generalsubkommissar aufgestellt und trat 1506 bis 1510 nicht nur in Sachsen und Schlesien, sondern auch am Niederrhein, im Elsass, in Schwaben und Franken als Ablassprediger auf.
Aus dieser Zeit stammen bereits zahlreiche Klagen über sein ,,Geschäftsgebaren.”
1509 wurde Tetzel auf Vorschlag des sächsischen Prinzipals des Dominikanerordens zum Inquisitor in Sachsen ernannt. Tetzel nennt sich so auch ,,päpstlicher Ketzerrichter“. Als ihm dieses Amt anvertraut wurde, gehörte er dem Kloster zu Glogau an. Ein Chronist erklärt, Tetzel sei Prior in Glogau gewesen.  Zwischen Juli 1510 und April 1516 gibt es von Tetzel keine Spuren. Unter den zahlreichen Ablassbriefen aus dieser Zeit ist nur einer von Tetzel gezeichnet (24.4. 1516 in Wurzen). Seine zweite Wirksamkeit als Ablassprediger liegt im Jahre 1517, als ihm der Erzbischof Albrecht von Mainz zum Generalkommissar des päpstlichen Ablasses für den Bau der Peterskirche ernennt. Sowohl im Kurfürstentum als auch im Herzogtum Sachsen wurde die Verkündung dieses Ablasses untersagt. Am 31.10.1517 schlug Luther seine Thesen gegen den Ablass an, mit denen er sich ja auch besonders gegen Tetzel wandte. Tetzel antwortete mit Gegenthesen, aber die erbitterte öffentliche Meinung zwang ihn zur Einstellung des Ablasses. Er zog sich ins Leipziger Dominikanerkloster zurück, wo er in den Tagen der Leipziger Disputation (4.7.1519) starb. Vor dem Hochaltar der Paulanerkirche, der Klosterkirche seines Ordens, fand er seine letzte Ruhestätte. Luther sandte seinem sterbenden Gegner einen Trostbrief, in dem es hieß, ,,er solle sich unbekümmert lassen, denn die Sache sei von seinetwegen nicht angefangen, sondern das Kind habe viel einen andern Vater“.
Zum Abschluß einige Urteile über Tetzel:
Johannes Lindner, Tetzels Zeitgenosse: ,,Johannes Teczel von Pirna, ein welt-berühmter Prediger, führte die Gnade um etliche Jahre lang. Männiglich trug erst Gefallen an seiner Lehre; er erdachte aber ungehörte Wege, Geld auszugewinnen, machte allzu milde Promotiones, richtete allzugemeine Kreuze in Städten und Dörfern auf, daraus letztlich beim gemeinen Pofel Aergernis und Verachtung folgte und solches geistlichen Schatzes Tadlung von wegen Mißbrauch.“
Bei Petrus Albinus, der um 1540 gleichfalls die Pirnaer Lateinschule besucht hatte, erfahren wir: „Johann Tetzel aus Pirna hat mit seinem unverschämten Ablasshandel unsäglich Geld aus Deutschland geführt und seine Schwester, die zu Pirna gewesen, reich gemacht, dass sie vier stattliche Pferde auf der Streu gehalten und ihren Kaufhandel damit getrieben.“
In Pirna war Tetzel nachweislich 1515, 1517 und 1518, wo er jeweils im Kloster Quartier nahm. Der Rat schickte ,,Doctor Teczel“ Wein und Bier als Geschenk ins Kloster, das zu visitieren er gekommen war. Ob Tetzel in unserer Gegend gepredigt und Ablass verkauft hat, ist zweifelhaft. Die Bezeichnung ,,Tetzelsäule“ für die ,,Wehlsche Marter“ an der Elbe (Eingang zum VEB Zellstoffwerke) beruht doch wohl auf späterer Legende. In der Stadtkirche zu Pirna befand sich bis zu Beginn des 18. Jh. ein Spottbild auf Tetzel mit einer zehnzeiligen Strophe, die mit dem verbürgten Tetzelschen Werbespruch endete:

,,So balt der gülden im Kasten klingt,
Im Huy die sehl in Himmel sich schwingt.“

Tetzel hat die Reformation nur in ihren Anfängen erlebt. Dass er zum übelbeleumdeten Prügelknaben aller Ablassgegner geworden war, muss ihn tief betroffen haben. Die gewaltigen Wirkungen jenes großen sozial-religiösen Konflikts, dessen Auslösung auch mit seinem Namen verbunden ist, werden ihm wohl kaum bewusst geworden sein.
Text mit freundlicher Genehmigung übernommen von www.geschichte-pirna.de



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