Pesthaus
Im Klosterhofareal
Ursprünglich drei Geschosse. Das Dritte als Wehrgang für angrenzende Stadtmauer ausgebaut. Ab 1607 Pestilenzialpfarrer und Pestbarbier hier untergebracht. Daher stammt der Name. Zum ersten Obergeschoss führte eine Außentreppe, die heute verschwunden ist. Ansätze noch sichtbar. Im Erdgeschoss großes gewölbtes Eingangstor. Das Pesthaus bildete eine flankierende Bastion der Stadtbefestigung im vorspringenden Rechteck des Klosterareals an der Nordwest-Ecke der Altstadt. Eine kleine Pforte mit gotischem Spitzbogen führt in den ehemaligen Zwinger.
Im Inneren des Pesthauses
Das Pirnaer Pesthaus und sein Wiederaufbau.
Das uralte, düstere Gebäude am „Zollhof“ südlich der Klosterkirche birgt kein schauriges Geheimnis, wie es unlängst die Lokalzeitung vermutete: Noch nie fand man dort „viele Skelette unter antiken Flusskieseln“.
Der schmucklose Bau aus unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk diente wegen seiner abgeschiedenen Lage in schlimmen Pestzeiten als Unterkunft für „Pestbarbier“ und „Pestpfarrer“. Sie wohnten im 1. Stock des Hauses. Dorthin führte eine Außentreppe, die heute verschwunden ist. Das Erdgeschoss mit seinem großen gewölbten Eingangstor diente als Wagenschuppen und Pferdestall.
Das Pesthaus bildete eine flankierende Bastion der Pirnaer Stadtbefestigung im vorspringenden Rechteck des Klosterareals an der NW-Ecke der Altstadt. Noch heute sieht man den Wehrgang und einige Schießscharten. 
Die Nordwestecke der Pirnaer Stadtbefestigung mit Elbtor, Klosterturm („Die Krone“) und Pesthaus als flankierende Bastion (nach einem Plan von 1756)
Eine kleine Pforte mit gotischem Spitzbogen führt durch die dicke Außenmauer in den ehemaligen Zwinger, also den Raum zwischen zwei Stadtmauern. Er diente in Friedenszeiten als Gartengelände zum Anbau von Obst und Gemüse. Verdeckt wird dieser Anblick durch ein 1999 errichtetes Parkhaus mit rund 200 Stellplätzen und einer unpassenden Wellblech-Fassade.
In der Biedermeierzeit schlug der Pirnaer Superintendent Tischer vor, das alte Pesthaus umzubauen zu einer „Arbeits-Anstalt für arme Kinder“. Hier sollten die vielen Bettelkinder der Stadt eine nützliche Tätigkeit ausüben, wie Strohflechten und Spinnen.
Die Armenschule kam jedoch in ein anderes Klostergebäude. Dieses elende Armenhaus geistert unter dem dubiosen Namen „Marienkapelle“ durch die jüngere Geschichte des ehemaligen Klosterareals. 
Erfreulich ist der gegenwärtige Wiederaufbau des ruinösen Pesthauses. Seine Dachziegel wurden weggefegt, als nahe Bombeneinschläge am 19.April 1945 die Elbbrücke, Bahnanlagen und viele Gebäude zerstörten. In der Folgezeit verfaulten mangels Pflege die Dachbalken und Zwischendecken des Pesthauses. Schließlich standen nur noch die steinernen Außenwände. Sie stammen in ihren Grundfesten noch aus der Bauzeit des Pirnaer Dominikanerklosters um 1300.
Fast 60 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges wurde nun ein Baugerüst errichtet, und Maurer verfugten das uralte Sandstein-Mauerwerk. Zimmerleute einer vogtländischen Baufirma errichteten eine hölzerne Dachkonstruktion. Am 17. September 2004 war Richtfest. Mögen die guten Wünsche bei den Trinksprüchen in Erfüllung gehen, damit das Pesthaus in Zukunft ein lichteres Dasein hat als in seiner dunklen Vergangenheit! Dann wird es auch einen stilvollen Rahmen bei Stadtfesten bilden, wenn der stille Zollhof von fröhlichem Leben und Treiben erfüllt ist.
Dr. Siegfried Lange
(Kleines Bild zeigt alten Schnitt durch das Pesthaus: Rechts oben Wehrgang mit Schießscharte. Links eine heute verschwundene Außentreppe zum 1. Stockwerk)
Quellenangaben:
Abb. aus: Bachmann/Hentschel: Die Stadt Pirna. Dresden 1929
Stadtarchiv Pirna , Akte B II IX 60 : Die Errichtung einer Armen-Arbeits-Anstalt zu Pirna betr. (1833-1859)
Meiche, Alfred: Historisch Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927, S. 234 ff (Pirna, Stadt).
Standort:
Klosterhof
