Stadtkirche St. Marien
spätgotische Hallenkirche
Öffnungszeiten für Besichtigungen: November - April Mai - Oktober Anfragen zu Führungen richten Sie bitte an das Pfarramt: Tel. 03501/527973
Die spätgothische Stadtkirche ist das bedeutendsten sakrale Bauwerk der Sächsischen Schweiz.
Bau
Die evangelisch-lutherische, spätgotische dreischiffige Hallenkirche St. Marien in Pirna wurde zwischen 1502 und 1546 über einem Vorgängerbau aus dem 13. Jh. errichtet und beeindruckt durch ihre Größe. 1889 fand man beim Bau der Heizungskanäle teilweise auf alten Pfahlrosten stehende Fundamente aus verschiedenen Bauperioden. Darin waren Überreste älterer Bauperioden vermauert, welche Spuren kräftiger Bemalung zeigten. Die Fundamente sind durch zahlreiche Gruftanlagen unterbrochen. Eine erste Erwähnung findet man 1294 („ecclesia gloriosae virginis Mariae“). Der Neubau begann mit Errichtung des Turmes im Südwesten der Anlage. (Chronik des Petrus Albinus: „ Item Anno 1466 ward der hohe Turm von grund mit gantzen Werkstücken und köstlich gezieret, mit macher Zier und langen Eckblumen, an der Pfarrkirche angefangen.“ Zu Baubeginn der neuen Kirche blieb die alte kleine Pfarrkirche vorerst bestehen, es erfolgte ein Überbau.
Der von Baumeister Peter Ulrich (genannt Peter von Pirna) begonnene Kirchenbau wurde von dem Baumeister Wolf Blechschmidt vollendet. Im Grundriß bestehen große Ähnlichkeiten zur St. Annenkirche in Annaberg (Bau von 1499-1525) an welcher auch Peter Ulrich mitarbeitete. Die heutigen Steinemporen wurden 1571 eingefügt und der Renaissance-Sandsteinaltar wurde 1611 von dem Bildhauer Michael Schwenke erbaut. Den Jobst Dorndorff zugeschriebenen Gewölbemalereien sollen als Vorlage die Illustrationen der 1532 in Wittenberg gedruckten Bibelübersetzung Martin Luthers gedient haben.
1708 fand eine Erneuerung des Kircheninnenraumes statt, bei der u.a. die farbigen Innenwände übermalt wurden.
1802 wurde die Kirche im Inneren erneut abgeputzt und gestrichen. Davon ausgenommen war nur das Deckengewölbe.
1889/90 erhielt der Kircheninnenraum eine einheitliche Fassung (Heizungsanlage, Gestühl, Orgelempore, Umgestaltung des Taufsteins) durch Theodor Quentin.
Turm
Der mächtige über 60 Meter hohe Turm aus behauenen Sandsteinquadern wurde vor der eigentlichen Hallenkirche (1466 -1479) erbaut, so daß sich durch Baufehler Teile des Turmes innerhalb der Kirche befinden, welche eigentlich außen sichtbar sein sollten.
Die quadratische Grundfläche weist eine Länge und Breite von je 10,60 m auf. Im dritten Turmgeschoss in ca. 18,50 m Höhe über dem Kirchplatz geht der Grundriß in ein Zwölfeck über. Die Mauerdicke des Erdgeschoßes beträgt 2,70 m, die des darüber liegenden Geschoßes 2,50 m.
Auf den Turm gelangt man über eine kleine Wendeltreppe (früher im Volksmund „Schwarze Hanne“ genannt), welche bis zur Hälfte als Anbau an der Südostseite des Turmes emporführt.
Der Turm war auch ursprünglich niedriger als geplant. 1560 (Petermanns Chronik: „Montag nach Maria Geburt“) wird der Turmkopf abgerissen und erneuert.
Ein Turmfenster im Treppenhaus links neben der Orgel ermöglicht so einen Blick vom Inneren des Turmtreppenhauses in die Kirche. Gekrönt wird der mehrstöckige Dachstuhl von einer barocken Turmhaube. 1479 wird ein Türmer eingesetzt.
Dach
Das gewaltige Dach von St. Marien hat bei einer Firsthöhe von 40 Metern und einer Dachstuhlhöhe von 25 Metern, die größte Kirchendachfläche Sachsens und wurde 2004 erneuert. Der Kirchenneubau wurde beginnend im Jahre 1536 mit Dachziegeln eingedeckt. Der Dachstuhl ist selbsttragend und lastet somit nicht auf dem darunterliegenden Deckengewölbe.
Gewölbe und Decke
Die Kirche erhielt dadurch sein einzigartiges Netzgewölbe welches nicht das Dach tragen muss sondern einzig der Zierde dient. Das Gewölbe enthält waghalsige steinerne verspielte Elemente, wie die in den Raum ragende Spiralrippen (Schleifenrippen), Hobelspanrippen und zwei Astrippen. Über dem Chor befindet sich das einzigartige Fischblasengewölbe. In der Apsis unmittelbar unter den Astrippen befindet sich ein als "Wilder Mann und Wilde Frau" bezeichnetes Menschenpaar aus Sandstein.
Die Kirche ist mit diesem Netzgewölbe in der spätesten Gotik vollendet (um 1540) und neben den Hallenkirchen von Görlitz und Annaberg-Buchholz auch die größte.
Das Kircheninnere ist mit nach der Reformation entstandenen prächtigen Deckenmalereien aus der Zeit um 1546/47 ausgestattet. Sie gehören zu den frühesten Zyklen der Reformationszeit und sind ein protestantisches Kunstwerk von hoher Bedeutung und Seltenheit.2002 wurde mit ihrer Restaurierung begonnen, die leuchtkräftige Farbigkeit kehrte zurück. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert seit 2000 u.a. die Sanierung des Innenraums von St. Marien.
Kirchenschiff
Der Inneraum besteht aus dreischiffigen siebenjochigen Hallenanlage und wird im Osten durch einen Chor abgeschlossen. Die innere Wölbung wird von zwölf achteckigen Pfeilern getragen. Die Breite der unteren Achteckseiten beträgt 50 cm, die der oberen 39 cm. Der Abstand zwischen den Pfeilerneihen beträgt 8,60 m, die zwischen den Pfeilern 5,80 m. Die lichte Länge der Halle beträgt 49 m die Breite 25 m, die Höhe des Mittelschiffes 17,80 m und die der Seitenschiffe 17,60 m. Das Mauerwerk besteht aus behauenen Sandsteinquadern. Auf dem Gestühl finden 1500 Personen Platz.
Taufstein
Der Taufstein besteht aus Sandstein und hat eine Höhe von ca. 1 Meter. Dem urspünglichen Werk von 1561 gehörte noch ein Sockel an, der 1802 entfernt wurde. Er zeigte Reliefdarstellungen der Sintflut, des Durchgangs durch das rote Meer und der Beschneidung und Taufe Christi. Der neue Rumpf wurde 1890 von Robert Koch geschaffen?
Der erhaltene alte Teil hat eine Höhe von 52 cm und baut sich als runder, mehrfach gekehlter Körper auf quadratischer Fußplatte auf. Aussen kreisförmig angeordnet sind 26 schlafende, essende, trinkende, küssende oder betende Kinderfiguren.
Sakristei
Die Sakristei und Choranlage springt bis zu 6 Meter gegen die Südwand hervor, die Länge beträgt 13 m. Drei Pfeiler stabilisieren die Anlage. Zwei dicht nebeneinander liegende Türen verbinden den Anbau mit dem Kirchenschiff.
Anbauten
In der von Baumeister Quentin angebauten späthistoristischen Brauthalle sind drei monumentale Gemälde von Ferdinand Wilhelm Pauwels zu sehen, die für die sächsische Kulturlandschaft von hoher Bedeutung sind. Die zeigen die Hochzeit zu Kana, Jesus bei Maria und Martha und die Famile eines Steinmetzen zu Füßen eines Kruzifixes. Pauwels stammte aus Antwerpen und wurde 1876 Professor an der Königlich Sächsischen Akademie der Bildenden Künste zu Dresden. Die Pirnaer Gemälde imitieren monumentale Wandmalereien mittels überdimensionaler, auf die Wand fixierter Leinwandbilder.
Geläut
Die achteckige Glockenstube beherbergt seit 1994 wieder das einzige (seit 2003 neben der Dresdner Frauenkirche) siebenstimmige Geläut in der Sächsischen Landeskirche. Bis in das frühe 20te Jahrhundert wohnte über dem Geläut der Glöckner/Türmer um die Glocken zu betätigen. Seine kärglichen Wohnräume sind noch heute zu besichtigen.
Altar
1612 erfolgte ein prunkvoller Steinaufbau des Altars durch die Gebrüder Schwenke aus Pirna, so dass der gothische Flügelaltaraufsatz weichen musste und nach Aussig verkauft wurde.
Für den steinernen Altar wurde am 9. Dezember 1611 eine allgemeine Geldsammlung eingeleitet, welche den Erlös von 775 Gulden und 9 ½ Pfennig ergab. Der Altar wurde im August 1612 von Hans Kadner bemalt und vergoldet. Die Einweihung erfolgte am 6. Januar 1614. Die Höhe des Altares beträgt 10 m, die Breite etwa 5 m, er zeigt drei Reliefs, links die Geburt Jesu Christi und die Anbetung der Hirten, rechts die Kreuzigung samt Maria, würfelnden Soldaten, Trauernden, Schächern und Reitern , und im Mittelteil das Abendmahl. Daneben die Inschrift Matth. 26 und Lucas 22: „Nehmet, esset, das ist mein Leib...“ usw.. Über dem Relief: „PASCHA NOSTRVM IMMOLATVS EST CHRISTVS“. Vor den mittleren Säulen Figuren der Evangelisten Marcus und Lucas, seitlich Matthäus und Johannes. Im mittleren Feld ein Relief mit Darstellung der Vision des Ezechiel von der Auferstehung der Toten. Weitere Reliefs im oberen Bereich. Den Aufbau zum 2. Hauptgeschoß vermitteln zwei mächtige weibliche Voluten. Für eine detaillierte Beschreibeung sei auf einschlägige umfangreche Literatur verwiesen.
Orgel
Ursprünglich befand sich seit 1547 (oder 1555?) ein Orgelwerk aus Mühlberg, ein Geschenk Kurfürst August auf der Westempore. 1579 erfolgte der Einbau eines größeren Orgelwerkes. Die alte Orgel wurde auf die kleine Empore über der Sakristei versetzt und wurde einem Umbau durch Hoforgelmeister Andreas Tamitius unterworfen.
Die große Orgel wurde 1578/1579 erbaut, ein Austausch erfolgte 1842 durch ein Werk des Orgelbauers Friedrich Jahn aus Dresden. Dieses wurde durch dessen Sohn 1890 umgebaut und hat heute 56 Register und 4000 Pfeifen auf drei Manualen und Pedal. Umfassende Erneuerung 1979. 2005 Überholung und Reinigung der Orgel, technische Modernisierung der Registrieranlage.
Sonstiges
Der Zoll steht schon in frühester Zeit in Beziehung auch zur Pirnaer Stadtkirche. Am 5. Dezember 1269 überweist Markgraf Heinrich der Schloßkapelle zu Pirna 5 Mark jährliche Einkünfte, "die der jezeitige Stadtpfarrer an den Terminen beati Donati et sancti Martini beim Zollpächter (qui pro tempore theoloneum habuerit) erheben soll".
Neben dem zehn Meter hohen sandsteinernen Altarretabel und dem bereits von Goethe bewunderten Taufstein (1561) mit 26 kleinen Kinderfiguren, stellen die figuralen Gewölbemalereien (1544-46) mit ihren vielen biblischen Szenen ein einmaliges Kleinod sakraler Malerei im Zeitalter der Reformation dar.
Seit der Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert ist die Marienkirche von Pirna evangelisch-lutherisch.
Die Kirche ist auf mehreren Veduten des Malers Bernado Belotto (genannt Canaletto) zu sehen.
Baumeister
- 1506 - 1514 Peter Ulrich, wohnte Am Markt 3 („Peter von Pirna“) Äußeres der Kirche mit Ausnahme von Sakristei und Dach
- 1514 - 1533 Markus Ribisch, wohnte Kirchplatz 2, Vollendung der südlichen Empore und Sakristei
- 1533 oder 1537 - 1539 Valten Wild erwähnt
- ca. 1539 - 1546 Wolf Blechschmidt, Niedere Burgstraße 1 Deckengewölbe
- Nickel Hofmann - Deckengewölbe spätestens im Jahre 1539/40 als Meister gearbeitet. 1540 wurde er Bürger in Pirna, wo er auch Aufträge des Rates erhielt. Im Jahre 1555, Mitunterzeichner der Ordnung der Steinmetzen zu Pirna.
- Hans Pusch 1554 erwähnt
Montag-Sonnabend: 11-15 Uhr
Sonntag: 15-17 Uhr
Montag-Sonnabend: 11-17 Uhr
Sonntag: 16-18 Uhr
Standort:
Kirchplatz
01796 Pirna
Verweise:
www.kirche-pirna.de/marien.html
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