Das Wetter und Klima in Pirna

Vor allen Dingen ist es wohl die Frage nach den klimatischen Verhältnissen die eine Beantwortung erheischt. Nun, wir können uns kurz fassen, denn die Natur hilft selber Antwort geben.

Ein Stückchen Erde, wo die Traube reift und der Walnußbaum tausendfältige Frucht bringt, wo üppige Erdbeerteppiche vielfach die Hänge bedecken und ausgedehnte Obstplantagen mit werthvollen Pfirsich- und Aprikosenbeständen der Pflege verlohnen, und wo der Kunstgärtner auch die feinfühligen Kinder der Flora zu hegen vermag, da muß wohl ein mildes Klima herrschen!

Besonders vor scharfen Winden ist die Stadt schon durch die Lage am Fuß einer steil abfallenden Hochebene ganz wesentlich geschützt. Die Höhenlage der Stadt ist 115-120 m über der Ostsee. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 8 Grad R. (wohl Réaumur, entspricht 10 Grad Celsius, Anmerkung der Redaktion), der Luftdruck schwankt zwischen 783,5 und 737,3 , und frostfreie Tage zählt man durschschnittlich 291. Die Blüthezeit beginnt bereits Ende April - das ist die früheste Zeit in Sachsen - sie ist die gleiche, wie in Frankfurt a. M. Die Sommerhitze wird durch die Nähe der Elbe gemildert und ist auch an den heißesten Tagen erträglich; der Pirnaer pilgert dann gern nach der Stadtschänke, wo ihm stets ein kühles Lüftchen entgegenweht.

Sehr angenehm und von langer Dauer ist der Herbst. Die Winterkälte erreicht selten einen hohen Grad, und oft ist das Thal noch schneefrei, wenn rings die Höhen schon im weißen Schmuck prangen. Wenn der Elbstrom aber einmal eisbedeckt ist, so daß man trockenen Fußes von einem Ufer zum anderen gehen kann, wenn im Thal und auf den Bergen der Schnee liegt und die klaren Gebirgsbäche mit ihren zahllosen kleinen Wasserfällen zu Eis erstarrt sind, darinnen sich Sonnenstrahlen in tausendfältigem Schimmer brechen, dann gewährt Pirna und mit ihm das ganze Elbsandsteingebiet einen geradezu zauberhaften Anblick, und man weiß nicht, was schöner zu nennen ist: Diese winterliche, oder die sommerliche Landschaft umher.

Aus allen Himmelsrichtungen eilen dann die Naturfreunde herbei, um das wunderbare Winterbild zu genießen, das am großartigsten von der nahen Bastei aus erscheint, die auch von Pirnaern viel besucht zu werden pflegt. Dann blüht auch die Schlittenfahrt, und Schellengeläute und Peitschenknall hallt allenthalben lustig wieder!

(aus: Pirna und Umgebung in Wort und Bild; Herausgegeben im Auftrag des Stadtraths, Druck F.J. Eberlein Pirna, um 1895)

www.pirna-altstadt.de Konzept, Idee & Technische Umsetzung Computer Stephan & Vii-sionar.Media Design Manufaktur